Die Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Hamburg hat am 19.11.2025 eine Resolution zum aktuell vorliegenden Gesetzentwurf zum Apothekenversorgungsweiterentwicklungsgesetz beschlossen, um ein deutliches Signal auch aus Hamburg an die Politik zu senden.
Außerdem wurde ein Aufruf zur Teilnahme an der ABYou-Kampagne „Error 404“ gestartet, um die Folgen des aktuellen Gesetzentwurfs für die Apothekerschaft zu verbildlichen.
Apothekerkammer Hamburg – Resolution zum ApoVWG
„Gemeinsam Zukunft gestalten: Heilberuflichkeit stärken – Versorgung verlässlich sichern“
Die Apothekerinnen und Apotheker in Hamburg begrüßen ausdrücklich die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) angelegten erweiterten Aufgabenbereiche der Vor-Ort-Apotheken für eine moderne, patientenorientierte Arzneimittelversorgung. Die vorgesehenen Weiterentwicklungen erkennen die zentrale Rolle der Apotheken vor Ort an und stärken die Heilberuflichkeit in einer Zeit, in der eine verlässliche, niedrigschwellige und qualitativ hochwertige Patientenversorgung wichtiger ist denn je.
Apotheken als erste Anlaufstelle: Heilberuflichkeit stärken
Hamburger Apotheken übernehmen täglich eine Schlüsselrolle in der gesundheitlichen Daseinsvorsorge:
- als erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten,
- als verlässlicher Partner im Arzneimitteltherapiemanagement,
- bei der Steuerung von Patient:innen im System und damit Entlastung der ambulanten Praxen und Notaufnahmen.
Die geplanten Instrumente des ApoVWG – wie der Ausbau pharmazeutischer Dienstleistungen und Präventi-onsangebote – sind richtige Schritte. Sie tragen in hohem Maße dazu bei, auch zukünftig die wohnortnahe Ver-sorgung der Menschen sicherzustellen, unser Gesundheitssystem zu entlasten und Kosten einzusparen.
Wir stellen klar: Dies funktioniert aber nur, wenn die heilberufliche Verantwortung des Apothekers für seine Apotheke gewahrt bleibt!
Fachliche Verantwortung braucht fachliche Kompetenz – Apotheke nicht ohne Apotheker
Der Apotheker in seiner Apotheke stellt nach seinem hoheitlichen Auftrag und in eigener Verantwortung die Arz-neimittelversorgung der Bevölkerung sicher. Der Entwurf zum ApoVWG weicht durch die
vorgesehene PTA-Vertretung eklatant von diesem Grundsatz der deutschen Arzneimittelversorgung ab. Die Hamburger Apotheker:innen warnen eindringlich vor dem damit einhergehenden Systembruch und der Abkehr von der Versorgung durch die heilberuflich-inhabergeführte Apotheke vor Ort. Entgegen der in anderen Teilen des Gesetzes vorgesehen Stärkung der Heilberuflichkeit wird der Berufsstand hier degradiert, die Versorgung verschlechtert und die Patientensicherheit gefährdet.
Wir stellen klar: Eine Apotheke funktioniert nur im Team – aber nicht ohne Apothekerinnen und Apotheker. Die pharmazeutische Expertise der Apotheker:innen ist unverzichtbar, um die im ApoVWG definierten Kompe-tenzerweiterung überhaupt realisieren zu können.
Faire Vergütung – Versorgung verlässlich sichern in Städten
Hamburg steht als Metropole vor besonderen strukturellen Herausforderungen:
- überdurchschnittlich hohe Miet- und Personalkosten,
- dadurch höherer Anteil ertragsschwacher Apotheken
- hohe Versorgungsdichte mit überregionaler Mitversorgung aus dem Umland.
Ohne eine faire, zeitgemäße Vergütung ist die wohnortnahe Versorgung – auch im städtischen Raum! – nicht mehr selbstverständlich aufrechtzuerhalten. Die bislang ausstehende Anpassung des packungsbezogenen Honorars widerspricht den politischen Zusagen einer Stärkung der Vor-Ort-Apotheken.
Wir Hamburger Apothekerinnen und Apotheker fordern daher das BMG auf:
- Streichung der PTA-Vertretungsregelung – Apotheken ohne Apotheker sind ein Systembruch - Das gefährdet die Patientensicherheit
- Sofortige Anhebung des packungsbezogenen Honorars – für eine tragfähige wirtschaftliche Basis und damit Ermöglichung der Umsetzung der heilberuflichen Aufgabenerweiterung u.a. im Präventionsbe-reich.
Hamburgs Apotheken übernehmen Verantwortung – jeden Tag. Dafür erwarten wir politische Verlässlichkeit.
Jetzt ist der Zeitpunkt für die Bundesregierung, ihr Wort einzulösen und die Zukunft der patientennahen Arzneimittelversorgung aktiv zu sichern.